Signum Des Verrats - Böhse Onkelz - Live In Wiesbaden 1989 (CDr)

Hessische Sechzigerjahredrfer. Das Ende der malerischen Kopfsteinpflasterra und der Beginn der Grenwahnepoche. Matthias nahm die Sakramente an, das hie, er schluckte die Hostie noch bevor er die Kommunion empfangen hatte.

Weil er es besonders gut und heilig machen wollte und weil er nicht ahnte, da so etwas in der Kirche verboten sein knnte. Der Pfarrer zog ihn nach der Messe am Ohr in einen Gang und brllte ihn an. Da war er ein Sechsjhriger und wieder trug er den schwarzen Kinderanzug. Als ginge er zu einem Begrbnis, so hatte man ihn fein gemacht, und jeden Sonntag hatte er dort aufzukreuzen, und verschwenden sollte er sich und seinen jungen Glauben in diesem kalten Kloster Kelkheim.

Matthias hatte schnell begriffen, wofr der Begriff "katholisch" in seinem Leben zu stehen schien und verweigerte sich frh dem kirchlichen System. Er war jetzt schon ziemlich angekotzt von den katholischen Pfarrern und ihrer Einmischung in sein Leben. Eine verlogene Bande, alle miteinander. Spter bekam er nochmal eine Ohrfeige von einem Gottesdiener, der ihn auf der EichendorfRealschule in Religion zu unterweisen hatte. Man htte den Verdacht hegen knnen, da die Lehrer das Fach -1 5.

Dennoch glaubte er daran, da er im Namen der Musik unterwegs war, sonst htte er mit elf Jahren nicht schon so einen Wirbel darum gemacht. Es hatte viel Gejammere und Gequengel gekostet, bis die Mutter endlich mrbe wurde und dem Sohn bei Hertie eine Wanderklampfe kaufte. Ein 6saitiger, billiger Sperrholzkrper war das gewesen, der sich schon verstimmte, wenn jemand im Zimmer hustete.

Der Vater, der sich auskannte, ahnte bereits, mit was es enden wrde. Mit einem langhaarigen, haschrauchenden, diskutierenden, faulenzenden, rebellierenden Sohn, dem ltesten von Vieren, der stets aufgelegt zu einem znftigen Disput sein, und der Bier saufen und sich daneben benehmen wrde.

Er konnte sich den rger bildlich vorstellen. Shne, die Gitarre lernen oder Tnzer werden wollten, schwule Theaterfreaks und Tchter mit Ttowierungen, so etwas gab immer Probleme. Kapitel 4 "Bhse Onkelz" Neuer deutscher synthesizer alfred dreh die scheie leiser jeder gute deutsche kanns der hippie macht den ersten tanz new romantic neopunk deutsche welle macht mich krank new romantic neopunk deutsche welle macht mich krank das hippiepack steht an den tasten die meute fngt an auszurasten adam wird der schlpfer feucht wenn gabi in das mikro keucht neuer deutscher glitzerkack weg mit diesem hippiepack alle spielen deutsche welle das ist die echte monetenquelle new romantic neopunk deutsche welle macht mich krank new romantic neopunk deutsche welle macht mich krank "deutsche welle", Bhse Onkelz, 1.

Die Ehe ihrer Eltern war frh gescheitert. An den jahrelangen Krach und die endlosen Scheidungsprozeduren whrend ihrer Kindheit konnte sie sich kaum mehr erinnern. Ihrer Mutter Anna war schlielich das Sorgerecht fr Pia und ihren jngeren Bruder zugesprochen worden, und zu dritt bewohnten sie eine Dreizimmerwohnung "am Forsthaus" in Gravenbruch. Gravenbruch war ein kleiner Vorstadtsatellit, der eingekeilt zwischen Neu-Isenburg und Heusenstamm im Staatsforst lag.

Ringsherum monokulturelles kodesaster, durchschnitten von der A3, eine der Hauptschlagadern des Landes. Die einzigen Attraktionen des Ortes stellten das Autokino und die Reithalle dar, und auch die hingen den Jugendlichen schnell zum Hals heraus. Wie endlos viele andere Mdchen und Jungen in ihrem Alter, hatte auch sie ihre Zuneigung zum Punk entdeckt.

Anfang 81 hatte sich der Punkrock gerade bis Gravenbruch herumgesprochen. Zu viert, zu dritt und wenn es sein mute auch zu zweit oder gar alleine, besuchten diese Randgebietepunks die Treffpunkte in und um Frankfurt, Mainz und Wiesbaden. Punks kamen lngst nicht mehr nur aus armen und asozialen Familien. Das traf ohnehin nur auf die wenigsten zu. Es vermischten sich Jugendliche aus allen sozialen Schichten miteinander, was eine Verschiebung der Symbole und der Werte zur Folge hatte.

Anfangs war alles noch berschaubar gewesen, aber schnell hatten sich die Punks in ihrem eigenen Chaos verloren. Fr Pia gab es nichts, gegen das sich zu rebellieren lohnte. Nicht, da ihr keine Mistnde an der Gesellschaft aufgefallen wren, nur war die Rebellion fr sie kein Mittel, das sie wirklich in Betracht zog.

Sie war ein ruhiges Mdchen, mit einem intakten Schamgefhl, einer ausreichenden Sensibilitt fr die Menschen um sie herum und einer Fhigkeit zum Ertragen von Dingen, die andere Jugendliche auf die Palme brachten. Sie ertrug ihr Dasein, sie ertrug Gravenbruch und sie ertrug die Schule. Alternativen gab es keine. Pia trank nur wenig Alkohol und nahm auer Nikotin keine Drogen zu sich. Ihr Freund Micha und seine Punkrockkomplizen grndeten eine Band, die sie trotzig "die Pseudos" nannten.

Einmal, weil sie in Frankfurt nicht fr voll genommen, sondern als Pseudopunks abgestempelt wurden und auerdem weil sie so extrem schlecht waren, da sie nicht wie "Kreppelkaffee" oder "Boopy Traps" schon wieder geil waren, sondern so schlecht, da sie abermals -1 8. Doppelt schlecht also. Jenseits von "geilschlecht", wenn man so wollte. Fr Freitag, den 8. Stephan, Kevin und Pe hatten einen Plan gefat. Gonzo war ein richtiger Musiker, ein Knstler, ein Virtuose. Er hatte ihnen die Gitarre erklrt und sie die Stimmtechniken gelehrt und so ganz nebenbei den lockeren Gitarrero raushngen lassen.

Nicht nur konnte er beinahe alle Sex Pistols Songs fehlerfrei und in eigenen Interpretationen nachspielen, er konnte auch die schnsten Bluesmelodien aus dem rmel schtteln, als seien es einige seiner simpelsten Routinebungen.

Sie waren hingerissen. Stephan, Kevin und Pe entschlossen sich dazu, diesen Mann abzuwerben, koste es was es wolle. Der Plan war nicht ganz neu. Schon im Februar, nach dem ersten Gig, hatte man eine Anspielung gemacht, auf die Gonzo aber nicht eingegangen war und jetzt im Frhling, wollte man ihn einfach fragen. Geradeheraus, ja oder nein. Gonzo hatte vom ersten Auftritt der Bhsen Onkls gehrt. Das hatte schon etwas sehr dynamisches gehabt, sagte man ihm, etwas eigenes. Die Jungs aus Hsbach gaben sich Mhe, aber nicht zuviel, nicht soviel, da sie verkrampft wirkten.

Kevins Brllerei wirkte sehr authentisch. Man konnte ihm leicht glauben, da er wirklich hllisch angekotzt war von seinem Leben und man konnte zuweilen Angst vor ihm bekommen, so echt war seine Wut.

Als sie Gonzo diesmal fragten, ob er nicht bei den Bhsen Onkelz einsteigen wollte, dachte er sofort an den Spa, den er in dieser Band haben wrde. Die waren so krass und fertig und daneben, und dabei so von sich berzeugt, da mute man einfach mitmachen. Gonzo sagte zu. Er bernahm -1 9. Bei ihrem zweiten Gig am 8. Mai spielten sie auer ihren alten Hits "Trken raus" und "Harakiri", auch einige neue Lieder. Kapitel 5 - "Oi, Oi, Oi" Deutschland versinkt in schutt und dreck, und ihr, ihr schweine, ihr seht einfach weg die bullen werden den aufstand schon niederschlagen, immer nur draufhaun, ohne zu fragen lange genug haben wir mitangesehen wie unsere stdte zugrunde gehen oi, oi, oi oi, oi, oi jetzt gibts einen aufruhr in unserem land, die kids von der strae haben sich zusammengetan, punks und skins im zusammenhalt, gegen euch und eure staatsgewalt oi, oi, oi oi, oi, oi die zeiten von liebe sind jetzt vorbei gewalt ist das mittel gegen ausbeuterei wir haben es satt, vor euch zu kriechen, dazu haben wir keine lust, wir haben ein besseres leben verdient nur bis jetzt haben immer die bullen gesiegt oi, oi, oi oi, oi, oi "Oi, Oi, Oi", Bhse Onkelz, 2.

Wie auch die Mitglieder von Sham, waren diese Musiker weder Punks, noch waren sie Skinheads, sondern schlicht Workingclass.

Beide Kombos wurden von Pursey produziert und trieben den schnellen atemlosen Streetpunk aus den Tagen der Sham Army voran. Auch zogen diese Bands gewaltige Scharen von Punks und Skinheads in die Hallen und wie schon bei den Sham 69 Konzerten, kam es bei diesen Gigs regelmig zu Schlgereien und blutigen Krawallen.

Die Cockney Rejects lieen whrend -2 1. Auch nicht, wenn ihre Gigs von BirminghamFanglatzen heimgesucht wurden. In einer Zeit, in der in England die gewalttigen Ausschreitungen whrend der Fuballspiele einen neuen Hhepunkt erreichten, sangen sie "War on the terraces" und "We are the firm". Die Presse war auf blutige Fotos und Geschichten von randalierenden Fuballhooligans ganz besonders scharf. Ihre Berichterstattung war an Recherchefehlern und Lgen kaum noch zu berbieten.

Diese Artikel gaben den Jugendlichen erst die przise Anleitung, wie sie sich in Zukunft zu verhalten hatten, um diesem provokanten Bild zu entsprechen.

Feuer wurde mit Benzin gelscht. Manager der Rejects war Gerry Bushell, der gleichzeitig als Musikjourna list fr die "Sounds" arbeitete. Obwohl die Verffentlichungen der Angelic Upstarts und der Cockney Rejects sich regelmig in den Top 50 festbissen, wurden diese Bands von den Musikzeitschriften ignoriert. Was fr die englische Workingclass Jugend das Grte berhaupt war, galt fr die britische Musikindustrie als peinlich und asozial.

Die straentaugliche Glaubwrdigkeit der Musik begeisterte all die Jugendlichen, die sich durch die kommerzielle Einmischung der Industrie in ihre Szene verarscht fhlten. Album" als erste Verffentlichung die Bewegung erst richtig auf Trab brachten. Bis hatte sich Oi in den unteren Schichten Englands ausgebreitet. Das war nur die Spitze des Oi-Berges.

Den wenigsten dieser Bands konnte man ein politisch motiviertes Image nachsagen, auer, da sie mit der konservativen Regierung ihres Landes, der Arbeitslosigkeit in ihren Vierteln und der Unterdrckung ihrer Musik durch staatliche Zensoren nicht einverstanden waren. Was diese Bands im Sinn gehabt haben, war eine unpolitische Bewegung, die sich nicht zwischen rechts oder links entscheiden sollte, sondern zwischen richtig und falsch, ohne dabei auf den Spa von schnellen Konzerten und guten Partys verzichten zu mssen.

Schlgereien inbegriffen. Crane galt als einer der fhrenden Kpfe des rechtsradikalen "Britisch Movement" und war angeblich durch einen Irrtum auf das Cover geraten. Die ultrafaschistoiden -2 3. Mitglieder des "Britisch Movements" und der rechten Partei der "National Front" hatten schon Mitte der Siebziger damit begonnen, die Skinheadszene massiv zu infiltrieren, nicht ohne Erfolg.

Die Rassenkarte war gegenber der gewaltbereiten Jugend ihr wichtigster Trumpf gewesen, der ihnen bei den Wahlen 77 ganze Da die gesamte Sze ne nach rechts abwanderte, oder das die OiBewegung von Beginn an einer nationalen Gesinnung nachhang, war gelogen. Dennoch, vielen lteren Skinheads waren die jngeren gefolgt und in der Klasse zu sagen, "ich bin in der NF", brachte damals instant-respect auf dem Schulhof.

Jetzt, whrend des Revivals Anfang der Achtziger, gelang es den rechten Parteien erneut, Streit unter den Jugendlichen zu sen. Immer wieder prgelten sich die Fans untereinander. Niemals wrden sich Skinheads und Punks zusammentun, nicht einmal unter dem gemeinsamen Dach, das "Oi" ihnen bot. Aufgrund des politischen Einflusses in ihrer Szene, war ihnen pltzlich nichts mehr gut genug. Der Mop wollte wissen auf welcher Seite seine Bands standen. Wer nicht rechts war, war links und wer kein Kommunist war, der mute ein Nazi sein.

Wer sich fr diesen schlecht bezahlten Beruf entschied, der mute mindestens 15 Jahre alt sein, seine Schulpflicht erfllt haben und seediensttauglich sein. Die Lehre dauerte 36 Monate und endete mit der Matrosenprfung und der Aushndigung des Matrosenbriefes oder der Bestallung zum Schiffsmechaniker. Dazu kamen Unterrichtsblcke von 10 Wochen pro Lehrjahr, die in einer Schule fr Schiffsmechaniker in Travemnde besucht werden muten.

Kevin erinnerte sich oft an das, was seine Gromutter ihm ber die Seefahrt erzhlt hatte. Danach verfiel sie meistens in einen langen Monolog ber die Seefahrt und ber Kevins Grovater, der einstmals als 3. Maschineningenieur auf der Cap Arkona nach Brasilien gefahren war. Die Cap Arkona war in den ausgehenden zwanziger Jahren tatschlich der ganze Stolz und das Flaggschiff der Hamburg-Sdamerikanischen Dampfschiffahrtsgesellschaft gewesen.

Ein Koloss unter den Passagierschiffen mit drei mchtigen Schornsteinen, Konzertsalon, Festsaal,Tennisplatz und genug Platz fr ber tausend gutbetuchte Gste. Dabei stand es jetzt schon fest. Nichts von dem, was seine Oma ihm ber die Seefahrt berichtet hatte, traf zu.

Hier ging es nicht um Passagierdampfer und feine Gesellschaften in Dinnergarderobe, die den Hummer zentnerweise in sich hinein schaufelten, whrend sie gemchlich von Hamburg nach Sdamerika schaukelten. Auch nicht um die Abenteuer des Leichtmatrosen Russell, der nachts an den Luxuskabinen der alleinstehenden Millionrinnen entlangprfte, in der Hoffnung in Rio schwer reich fr immer von Board gehen zu knnen, sondern um beschissenes, langweiliges Stckgut; um Container und den Umgang mit ihnen, um Seekarten und nautischen Schnickschnak und um beinharte krperliche Arbeit.

Zu Beginn der Lehre war Kevin noch guten Willens. Voller Elan und mit den besten Absichten war er nach Hamburg gekommen, aber schon nach kurzer Zeit sa er in den Unterrichtsrumen und trumte sich durch den Tag.

Russell, sind sie noch bei uns? Er war, und das mute mal gesagt werden, die gute Seele der Band. Nicht nur war sein Schlagzeugspiel in den letzten Jahren erheblich besser geworden, er war auch in allen anderen Belangen eine unersetzbare Sttze der Bhsen Onkelz und der beste Freund.

Untypisch insofern, da ihn Gewalt und Fuball kalt lieen. Ins Waldstadion ging er nur selten und whrend der gesamten Zeit, seit Grndung der Band, hatte er sich niemals an einer Schlgerei beteiligt. Er war aber auch niemals weggelaufen. Pe stand einfach daneben und zog sich rein, was es zu sehen gab.

Wenn alles vorbei war, stand er immer noch da, ohne einen Kratzer im Gesicht und tat so, als ob nichts passiert wre. Pe war auf eine besondere Art ruhig und furchtlos. Es schien, als trge er nur wenig Zorn in sich, den er durch Aggression artikulieren mute. Bis auf einen Zwischenfall, bei dem Pe einem schlafenden Nrnberger Skinhead nach einer versoffenen Nacht den Inhalt einer Dose Whiskas ins Maul geschmiert hatte, war von ihm niemals Gewalt ausgegangen. Whrend Kevin und Stephan nur darauf warteten, da sie jemand schrg ansah, damit sie endlich loslegen konnten, war Pe das genaue Gegenteil.

Seit dem Sommer 82 war Pe aus Hsbach fort. Beim Abfluservice hatte er aufgehrt und arbeitete nun in einer Frankfurter Schloerei. Pe wohnte mit seinem Freund Oleovnek zusammen. Eine winzige Wohnung auf der Humboldtstrae im Frankfurter Nordend. Alles war schn. Bis eines Tages die Freundin vom Oleovnek einlief und ein bichen Acid dabei hatte. Sie drckte Pe zwei Micros in die -2 8. Hand und verschwand wieder. Mal abgesehen von einigen Pattexerlebnissen, dem wenigen Dope und dem vielen Bier, hatte Pe noch keine Drogen zu sich genommen, jedenfalls keine harten.

Gonzo, der an diesem Abend aus Hamburg zu Besuc h war und mit Pe in dessen Hhle abhing, konnte sich auch nicht rhmen, schon mal eine psychedelische Erfahrung gemacht zu haben. Was konnte schon groartig passieren? Micros, pah, die konnte man ja kaum sehen, so klein waren die. Pe und Gonzo waren gewarnt worden, da so ein Trip auch schiefgehen konnte, aber was zum Teufel bedeutete "schiefgehen"? Da man kotzen mute? Da man Dnnschi kriegte? Da Micros nur so gro wie ein Stecknadelkopf waren, hie nicht, da sie schwcher als andere Trips sein muten.

Im Gegenteil. Ein halbes Kgelchen htte ausgereicht, um einen stabilen Menschen nachhaltig zu verwirren. Darum war es immer ratsam, eine nchterne Vertrauensperson dabei zu haben, die nachfhlen konnte, was im Kopf des erschrockenen Reisenden ablief. Im Klartext hie das, da man schrge und schreckliche Sachen sehen konnte und sich vor Angst fast in die Hose machte. Es kam wie es kommen mute. Unautorisiertes Acid in den Hnden von neugierigen Tripnovizen. Mit einem krftigen Schluck Binding aus der Flasche splten sie ihre Micros runter, jeder einen und dachten nicht im Traum daran, da ihr erster Ausflug sie gleich so weit fort tragen wrde.

Nach einer halben Stunde begannen die Wnde zu leben und das, was eben noch ein Rockposter war, wurde nun zu einer Vielzahl von gemeinen Kreaturen und blutrnstigen Fratzen. Nichts war mehr so, wie es -2 9. Sie sprhten Funken, zischten und schnaubten. Keiften aufeinander los und schreckten voreinander zurck.

Alle paar Minuten ein trgerischer Normalflash, whrenddessen sie sich anschauten und sich sagten: "H, was ist denn eigentlich los? Ist doch gar nicht so schlimm, oder? Der Sog, der Rotor, der Abflu, alles wurde mit hinabgerissen und weggesplt. Die Augen quollen ihnen aus dem Schdel, die Kopfhaut schrumpfte und die Zhne schmolzen. Ohrensausen und die Sinne im Aufruhr. Weit weg und wieder ganz nah dran, rauf und wieder runter, alles in Ordnung, alles oberschrg, und dazwischen konkrete Panik.

Die ganze Nacht ging dabei drauf. Bevor der Morgen graute, war an Schlaf nicht zu denken gewesen. Seit diesem Erlebnis waren Fernreisen bei Gonzo und Pe nicht mehr gefragt.

Im Frhjahr 83 kauften Stephan und Pia ihr erstes Auto. Pia hatte durch die Heirat ,-DM von ihrer Versicherung bekommen. Diese alte Kiste war fr eine kurze Zeit der ganze Stolz der Band. Ihnen war ein Auftritt im Jugendzentrum Ampermoching zugesagt worden. Kevin und Gonzo waren aus Hamburg angereist und zusammen mit ihrem Rimmel Standard, ihren Gitarren und dem Verstrker quetschten sie sich in den Olimat. Auf regennasser Fahrbahn schlich die Karre durch den Nebel und es hatte 5 Stunden gedauert, bis sie endlich ankamen.

Im Jugendhaus Ampermoching hatten sich einige hundert Menschen eingefunden. Punks, Skinheads, Rocker und eine -3 0. Eine grausame Band stand auf der Bhne und versuchte das lethargische Publikum zu motivieren. Kapitel 8 "Der nette Mann" Auch zwlf dunkle jahre in deiner geschichte machen unsere verbundenheit zu dir nicht zunichte es gibt kein land frei von dreck und scherben hier sind wir geboren, hier wollen wir sterben deutschland deutschland, vaterland deutschland deutschla nd, mein heimatland den stolz deutsch zu sein wolln sie dir nehmen das land in den dreck ziehn, die fahne verhhnen doch wir sind stolz, in dir geboren zu sein wir sind stolz darauf, deutsche zu sein.

Es war ein kurzes Telefonat, in dem er zu Stephan sagte, da er gerne eine Platte mit den Onkelz machen wrde. Er werde die gesamte Produktion finanzieren, hatte er gesagt. Die Band sollte in ein Studio gehen und ihm die fertigen Bnder schicken.

Alles andere wrde noch geregelt werden. Egoldt war ein Rockfossil. Er besa schon in den siebziger Jahren ein eigenes Label, das er "Big H" nannte und auf dem er verschollenen Rockklassikern aus den spten Fnfzigern und frhen Sechzigern zu einem zweiten Frhling verhalf. Aufgrund der katastrophalen Geschftsprognosen fr diese Art von Musik, konnte Egoldt im Schatten der groen Musik huser bestens bestehen. RockORama in Brhl wurde zu einem der bestsortiertesten unabhngigen Plattenlden, mit vorzglichen Kontakten nach England und mit eigenem Mailordervertrieb wobei der Schwerpunkt des Angebotes noch eindeutig auf Punk und New-Wave lag.

Alles andere wrde also noch geregelt werden. Stephan und den anderen wurde es fast schwindelig vor Aufregung. Anfang Mai 84 kam "Der nette Mann " auf den Markt. Eine politische Motivation steckte hinter dem ersten Vinyl der Onkelz nicht. Niemand in der Band gab etwas auf Politik. Saufen, Ficken, Fuball, Mord und Totschlag.

Mit 14 Stcken prsentierten sich die Bhsen Onkelz als erste Skinheadband der deutschen ffentlichkeit und wer -3 3.

So wie sie sich als echte dreckige Punks verstanden hatten, so eindeutig standen sie jetzt hinter dem Skinheadkult. Nicht nur ihr ueres glich den englischen Skinheads bis hin zum kleinsten Detail, auch ihre innere Haltung war stark an das englische Ideal der siebziger Jahre angelehnt. Ein Skinhead zu sein, bedeutete fr jeden in der Band, da es das groartigste Gefhl von Gemeinschaft berhaupt war.

Nichts war mit diesem Gefhl vergleichbar. Es war wie beim Punk, nur noch tausendmal geiler, strker, unbesiegbarer. Eigenartiger Weise waren Gonzo und Stephan nie richtig auf die typische Skinheadmusik abgefahren. Last Resort und 4-Skins gehrten nicht unbedingt zu ihren Lieblingsgruppen.

Da sie die meisten Texte nicht verstehen konnten, ging es ihnen schon von Anfang an mehr um die Musik, als um die Aussagen ihrer Lieblingsbands. Sie waren immer noch beigeisterte Anh nger der Gerry Bushell OiCompilations, die inzwischen auf 4 Volumes herangewachsen waren und standen nach wie vor auf den dreckigen englischen Street-Rockn Roll von Cock Sparrer und den Lurkers oder von den Australiern Rose Tattoo. Rose Tattoo?

Was die Tattoos anging, hatte sich eine Menge getan. Kevin fhlte sich zu Recht als halber Englnder, was sich auch in dem neuen "Westham United" Tattoo ausdrckte, das Gonzo ihm mit einem Skalpel und einem Glas Tinte zugefgt hatte.

Kevins gesamter linker Arm war inzwischen bebildert. Whrend einer Schiffsreise nach Hull in England hatte er sich Farbe und Nadeln besorgt und schon die -3 4. Spinnennetz am Ellenbogen und Drachen auf der Schulter. Russell hatte es sich zum Ziel gesetzt, alle freien Stellen seines Krpers, auer dem Gesicht, den Fusohlen und dem Penis, auszumalen.

Fr ihn war es das erste Mal, da er eine eigene Identitt besa. Kevin fhlte sich als ein Fasterwachsener in einer verschworenen Gruppe von Freunden. Das war etwas, da ihm so wertvoll war, da er es nur spren, aber auf keinen Fall beschreiben konnte. Kapitel 9 "Bse Menschen - bse Lieder" Sie hindern dich so gut es geht deinen weg zu gehn unsre herrn politiker sie wolln dich nicht verstehn ich habn hass, son hass ich habn hass, son hass sie reden nur und reden und nichts kommt dabei raus viele worte, keine taten fr nichtstun noch applaus ich habn hass, son hass ich habn hass, son hass arbeitslose jugendliche sind heute schon normal die reichen immer reicher alles andre ist egal meine verachtung haben sie ich kann sie nicht mehr sehn das sind menschen, die von freiheit reden und nicht dazu stehn "Hass", Bhse Onkelz, "Bse Menschen - bse Lieder" LP, RockO Rama Records, Neun Monate nach "dem netten Mann", im Februarwaren die Onkelz wieder im MTV-Studio gebucht.

Egoldt hatte angerufen und die Produktion der zweiten LP angeleiert. Obwohl die Bhsen Onkelz noch kein Geld fr die erste Platte bekommen hatten, waren sie begeistert. Allein der Gedanke an ein neues Album konnte sie beflgeln. Bis auf Kevin, hatten sie sich die Haare ein Stck wachsen lassen und die Hosentrger abgelegt. Fred Perry Hemden waren out und ihre Docs trugen sie nur noch ab und zu. Die starren Regeln innerhalb der Skinheadszene, in Verbindung mit dem dmmlichen Faschogeschwtz einiger Hamburger und Berliner war es, was sie ankotzte.

Kaum war man der einen Schublade entwachsen, sa man schon in der nchsten. Vorschriften, ob es nun um Klamotten oder politische Ansichten ging, waren fr Stephan, Gonzo und Pe inzwischen unannehmbar geworden. Kevin konnte seine Skinheadidentitt nicht einfach abschtteln. Der Kult war fr ihn die einzige -3 6. Mglichkeit, mit der Auenwelt in Kontakt zu treten. Der Ex-Matrose lebte auf einer Insel, in einem Gefhlsreservat. Seinem dsteren Elterntrauma, den Abweisungserlebnissen whrend seiner Kindheit und der daraus resultierenden Blockierung stand der Zwang zum Ausgleich gegenber.

Das drckte sich in seiner Tattoobesessenheit und seiner Neigung zu Gewalt gegenber Anderen aus. Seinen Job bei der Mllabfuhr war er schnell wieder losgeworden und seit ein paar Wochen arbeitete er als Packer beim LufthansaCateringservice. Ein Job, den ihm sein Alter besorgt hatte. Kevin neigte zu schlimmen Ausschweifungen, das wurde immer deutlicher. Wenn er sich prgelte, dann blutig und extatisch und ohne Erbarmen.

Wenn er soff oder schnffelte, dann so, als wollte er sich umbringen. Stephan mute ihn oft zurechtweisen, gerade wenn es darum ging vor anderen Skins faschomig rumzuposen, aber ohne diese wtenden Ausbrche wre er wahrscheinlich lngst geplatzt. Die The men waren mehr oder weniger die gleichen.

Allerdings waren der anfngliche Patriotismus und die Euphorie fr das Vaterland schnell verpufft. Stephan war inzwischen der Meinung, da es sich nicht lohnte auf ein Land stolz zu sein, da die Probleme seiner Jugend nicht ernst nahm.

Einigkeit und Stolz waren fr ihn Dinge, die nichts mehr mit nationalen Grenzen zu tun hatten. Dinge, jenseits des Reisepasses. Auf dem zweiten Album der Onkelz gab es kein Lied mehr, das sich mit dem Thema "Deutschland" beschftigte. Hchstens mit dem deutschen Fuball. Signum des Verrats Es ist kein mal wie du es kennst kein aufgebranntes zeichen man bemerkt es, doch man sieht es nicht und es prgt dich ohnegleichen du glaubst, die intrigen bemerkt man nicht doch dein schleimiges wesen zeichnet dich das signum des verrats steht dir im gesicht fr geld verrtst du freunde deine worte sind nichts wert die seite die du whltest die war verkehrt du glaubst, die intrigen bemerkt man nicht doch dein schleimiges wesen zeichnet dich das signum des verrats steht dir im gesicht "Signum des Verrats" hatten die Bhsen Onkelz fr Mitlufer aller Art geschrieben und fr diejenigen, die ihre Ideale und ihren Stolz an die Politik oder an irgendjemand anderen verkauften.

In den Fuballstadien, den Kneipen und an den Treffpunkten der Skinheads tauchten immer wieder Scheiteltrger auf, verteilten rechtes Propagandamaterial und versuchten sich beliebt zu machen. Die meisten Skinheads hatten nur eine diffuse Vorstellung von Politik und wenn sie diese noch artikulieren sollten, verhedderten sie sich schnell in Widersprchen. Gerne legten gewiefte Journalisten den Jugendlichen die Worte in den Mund und verlangten nach Besttigung, oder sie spekulierten sich ihre Artikel zusammen.

Sogar wenn ein Reporter ungewohnt grndlich recherchierte, war der darausfolgende Bericht immer noch einseitig und plakativ. Die Medien hielten sich grundstzlich mit den oberflchlichen, blutrnstigen Symptomen einer krnkelnden Jugendsubkultur auf, anstatt den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen.

Die Bhsen Onkelz hatten sich weder von links, noch vom Kommerzpunk oder der neuen deutschen Welle einfangen lassen. Nun erneut vor einem solchen Problem zu stehen und mitanzusehen, wie das, was man mitaufgebaut hatte nach rechs abglitt, war schmerzhaft. Es gab einige Angebote von -3 8. Sie wurden mehrmals gebeten, ge gen eine angemessene Gage auf Grillfesten und Kundgebungen zu spielen, aber jedesmal lehnte die Band diese Anfragen einstimmig ab.

Niemals wrden sie mit Linken, Rechten, mit Scheiteltrgern oder Uniformfetischisten gemeinsame Sache machen und sich vor den Karren einer Partei spannen lassen. In einer Zeit, als Konzerte rar waren, als ihnen die deutsche Skinheadszene zu Fen lag, als sie jedes Skinheadtreffen mit einem Auftritt ihrer Band dominieren konnten und ihr Einflu auf die Glatzen gro war, weigerten sie sich fr rechte Parteien auch nur eine Note anzuschlagen. Kapitel 10 "Der Ausstieg" Ganz egal wie er auch heit jeder gott hat seinen preis ich gebmeinem leben einen sinn und geb mich ganz den onkelz hin die zehn gebote lassen uns kalt nur leere worte, wir sind priester der gewalt liebe onkelz, macht mich fromm euer wort will ich verknden ich rauf nur noch, ich sauf nur noch nur fr euch will ich noch sndigen onkelz und bahgwahn, falsche propheten glaubt an euch selbst, hrt auf zu beten befreit eure hirne vom falschen schein geht eure wege, eure wege allein "Falsche Propheten", Bhse Onkelz, "Onkelz wie wir" LP, Metal-Enterprise, Der Ausstieg der Frankfurter Band vollzog sich ber die Jahre und Nicht wenige Altglatzen folgten dem gleichen Impuls.

Stephan und Gonzo weigerten sich, ihre Haare noch einmal schneiden zu lassen und Pe blieb mit seiner Frisur irgendwo zwischen Kannisterkopf und Prollbrste hngen. Kevin erkannte zwar die Gefahr, die darin lag, wenn man sie als Band noch weiter in die rechte Ecke drngte, wollte aber dennnoch bei seiner Glatze bleiben.

Niemand in der Band zwang ihm eine Entscheidung ab. Da die Bhsen Onkelz sich und ihre Musik begrenzten, wenn sie noch lnger fr eine kleine Gruppe von Fanatikern rockten, war auch ihm klar. Gonzo und Stephan hatten die Schnauze gestrichen voll.

Es erschien ihnen geradezu lcherlich hart zu sein, um der Hrte willen. Sie waren hart genug, jeder von ihnen. Den Nachweis muten sie nicht tagtglich aufs Neue erbringen. Jedes Bier, ber das sie sangen, hatten sie getrunken und jede Schlgerei selbst erlebt. Jedes Gefhl von Sieg oder -4 0. Niederlage, der ganze Hass, die Hrte, der Dreck und all die Kotze und das Bier, das war von ihnen bereits vertont worden.

Und wenn die Hrte jetzt nur noch darin lag, rechtsradikal zu sein und immer mehr Skinheads dazu kamen, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten, dann war es auch keine Bewegung, der sie noch lnger angehren wollten. Sie hatten endlich eine Connection nach England aufgebaut. Der Snger von "Indescent Exposure", Steve Reeve, hatte ihnen glaubhaft versichert, da er auf ihre Musik stand, und da er sich um eine Auftrittsmglichkeit in London kmmern wrde.

Beim Abschied hatten sie ihre Telefonnummern ausgetauscht und tatschlich rief Steve im November bei Stephan an. Er hatte fr sie einen Gig klar gemacht, sagte er. Wenn sie wollten, knnten sie rberkommen und am Wenn sie wollten? Oh, Mann, klar wollten sie, und wie sie wollten. London, Mutterstadt aller Jugendkulte. Sie htten alles dafr gegeben, einmal in London zu spielen.

Auer Gonzo, war noch niemand von ihnen in London gewesen. Seit sie sich fr Musik interessierten, war London in ihrer Phantasie zu diesem groen phantastischen und bizarren Ding herangewachsen. Am Dezember flogen sie nach England.

Bei Den-Air gabs fr Mark ein Wochenendticket und weil es so gnstig war, hingen sich die Rsselsheimer Skinheads gleich hintendran.

Zu Siebt bezogen sie mit ihren Instrumenten am Freitag ein Hotel in der Londoner Innenstadt und fingen sofort an zu saufen. Sie stolperten im Gnsemarsch durch die Pubs und Kevin -4 1. Einmal, weil kein Sender zu finden war und er nicht wute, da es in England kein Nachtprogramm gab und zum anderen, weil jeder Rockstar, der etwas auf sich hielt, schon mal einen Fernseher aus einem Hotelfenster in London geworfen hatte.

Fernseher waren dazu da. Wie immer kam Kevin auch diesmal ungeschoren davon, als die Polizei am nchsten Morgen zwei unschuldige Jugendliche aus dem falschen Zimmer verhaftete. Steve war hier aufgewachsen und kannte jeden. Der Pub, in dem sie spielen sollten, hie "No 5". Das war einer von den typischen englischen Pubs, wie man sie sich vorstellte. Verraucht, aber penibel gepflegt. Dunkles Holz und glnzende Messingbeschlge. Mit einem Biertresen, an dem schon Generationen von Werft- und Fliebandarbeitern ihr Guiness getrunken hatten.

Eine Musicbox stand in der Ecke und eine Dartscheibe hing an der Wand. Einer von den Pubs mit sauberen Spitzengardinen vor den Fenstern und blankpolierten Fuballpokalen in der Vitrine. Das Konzert sollte um Acht beginnen. Neben den regulren Pubbesuchern, neben den Arbeitern und den alten Mnnern hatten sich 30 bis 50 englische Skinheads eingefunden.

Die Stimmung in diesem Pub war anders, als in einer Kneipe in Deutschland. Kapitel 11 "Aus der Ferne betrachtet In der Szene kursierten seit 86 die wildesten Splitgerchte, denen Stephan und die Band jetzt entgegentreten wollten.

Stephan: "Ein fr allemal: Die Bhsen Onkelz haben sich nicht aufgelst. Ich wei nicht, welcher Verrckte auf die Idee gekommen ist, dieses Gercht in die Welt zu setzen. Es stimmt jedenfalls nicht Wir hatten keine Lust mehr, uns in eine Ecke drngen zu lassen, aus der wir nicht mehr herauskommen. Wir wollten unseren Spa haben, und das war zum Schlu nicht mehr mglich Zuviele Leute, die frher die Bewegung geprgt haben, -4 3.

Wir brauchen uns von diesen Leuten nichts vorwerfen und schon gar nichts sagen lassen. Wir kennen die Sache. Die Skins, die von sich behaupten knnen, Jahre dazu gehrt zu haben, kann man an einer Hand abzhlen Stephan: Die ganze Zeit wars wohl so, da hauptschlich Skins da waren oder Fuballfans.

Nur mittlerweile hat sich das schon ein bichen gendert. Es sind jetzt auch viele Leute, die Heavy Metal hren und Trash. Gonzo: Von wegen parteipolitisch, ist nie was gelaufen bei uns.

Kevin: Politik ist ja total uninteressant. Das ist berhaupt kein Thema, weil: Politik in diesem Land ist undurchfhrbar. Karl- Heinz war kein groes, starkes Kind, eher schmchtig, aber er konnte eine skrupellose Brutalitt an den Tag legen.

Viele seiner Spielkameraden frchteten sich vor ihm und als er zwlf wurde, gab ihn seine Mutter an das Kinderheim Marienhausen ab. Vom Krieg verschont geblieben, lag das Gebude eingepfercht zwischen dicken Eichenbumen und sanft ansteigenden Weinbergen hinter den Ortschaften Rdesheim und Aulhausen. Unweit der Hugo Asbach Brennerei. Ein dunkelgelber Sandsteinbau mit schwarzem Schieferdach und Heiligenstatuen, die schweigend in den Nischen standen und kein Wort darber verloren, was in Marienhausen geschah.

Kinder, die sich nicht fgen wollten, deren Eigenarten und Reaktionen von Eltern und Gesellschaft nicht nachvollzogen werden konnten, und die infolgedessen als gefhrlich angesehen wurden. Karl- Heinz Weidner war gefhrlich, so entschied seine Mutter, eine dominante, hartherzige Frau. In Marienhausen hatte man bestimmte Vorstellungen, wie mit solchen Kindern zu verfahren war. Zunchst einmal mute man sie immer und bestndig prgeln, bei jeder nur er enk lichen Gelegenheit.

Preuischkatholisch waren die Richtlinien dieser Anstalt. Angst und Schrecken waren in Marienhausen allgegenwrtig und die Padres sorgten dafr, da diese Angst den Kindern niemals ausging. Es gab Ohrfeigen, sobald sich einer der Jungs rhrte. Spaziergnge in Marschkolonnen und Redeverbot vom Aufstehen bis zur zweiten Andacht. Kapitel 2 - "Trkhn rauhs" Der Juni war eindeutig zu khl.

Der ganze Tag war wolkenverhangen. Es ging ein starker Wind, der erst am spten Nachmittag zur Ruhe kam. Falls es ein Junge werden wrde, so sollte er Peter heien. Obwohl es nur eine gute Stunde von Frankfurt entfernt lag, gehrte es bereits zu Bayern.

Auer seiner alten Ringertradition hatte dieser Ort nicht viel zu bieten. Tankstelle, Gemeindehaus, Eckkneipe und Eiscaf. Es hatte auch niemals jemanden gegeben, abgesehen von irge ndeinem Ringer vielleicht, der aus Hsbach oder Goldbach stammte und berhmt geworden wre. Die Schorowskys waren schon lange in dieser lndlichen Gegend ansig.

Lange genug, um eine feste Position im sozialen Gefge der Dorfgemeinschaft einzunehmen. Feuerwehrball, Gottesdienst, Schtzenfest.

Katholischer, biederer Mittelstand, alles andere als aufregend. Das Haus in der Salzgasse war Frau Schorowskys Mdchenhaus, in dem auch sie geboren worden war und in dem sie nun ihren zweiten Sohn Peter zur Welt brachte. Die Sonne stand im Zwilling. Ein weiterer Mensch auf der Suche nach Vollstndigkeit. Peter trug die gleichen titanischen und provokanten Anlagen in sich, wie Stephan Weidner, nur fehlten ihm die Wut und der Jhzorn, der im Leben der mnnlichen Weidners allgegenwrtig war.

Als Baby schrie er viel. Das nderte sich auch nicht, als Peter zum Kind heranwuchs und all die Belehrungen und Maregelungen ber sich ergehen lassen mute, die ein katholisches Kinderleben mit sich brachte. Frau Schorowsky bekam nach Peter und seinem lteren Bruder noch zwei weitere -1 0. Shne und die gesamte Familie, einschlielich der Groeltern, wohnte im Haus in der Seusstrae. Die Kindheit der Brder verlief hnlich. Die frhen Jahre verbrachten sie in der unmittelbaren Nhe des Hauses und beschftigten sich mit dem, was der Hinterhof zu bieten hatte.

Bume erklettern, Kaninchen streicheln, Hhner jagen, Schwert- und Reiterkmpfe. Als Peter fnf Jahre alt war, schaute er zum ersten Mal bewut auf den Fernseher. Wren in diesem Moment nicht ein paar Livemitschnitte eines 69er Beatleskonzertes ber den Schirm geflackert, so wre vielleicht niemals ein Musiker aus ihm geworden. Diese vier aufgetakelten Gestalten, mitten in ihrer Sgt.

Pepper-Epauletten-Freak-Phase, die tausende von Jugendlichen an den Rand des Wahnsinns brachten, hatten ihm schwer imponiert. Er wrde "Beatle" werden. Und wenn die Welt aus den Angeln kippen und Hsbach im Erdboden versinken sollte, aus ihm, da war er sich absolut sicher, wrde eines Tages ein Beatle werden.

Kein Lastwagenfahrer, kein Indianer, Fuballer oder Astronaut, und auch kein Kltemechaniker, wie sein Vater, sondern ein gitarrespielender Beatle. In der dritten Klasse wurden dem Kind einige grundlegende Dinge klar, die den Wunsch nach Ausdruck in seinem Leben noch verstrkten. Er war 63 Jahre alt, stand kurz vor der Pensionierung und war verrufen als ein sadistisches Schwein.

Adler war von fiesem, selbstgerechtem Charakter, der hufig seine faschistoide Grundeinstellung erkennen lie. Mit subtilen und gemeinen Bestrafungen ging er permanent gegen die Kinder vor. Wenn die Grundschler unaufmerksam waren oder aus dem Fenster schauten und sich in Tagtrumen verloren, lie er sie aufstehen und nach vorne kommen.

Dort fragte er sie, ob sie lieber ein Schokoladen- oder ein Zuckerpltzchen wollten. Es war egal fr was sich die Schler entschieden, der einzige -1 1. Unterschied zwischen Schoko und Zucker war der, da er sie mit dem Stock auf die rechte oder die linke Hand schlug. In jedem Falle war es eine unsgliche Pein.

Peter war ruhig, er hatte diese Strafe nur selten zu ertragen, aber er hasste seinen Lehrer dafr, da der zu solchen Mitteln griff. Peter begann frh seine Bcher und Hefte vollzukritzeln. Whrend der Grundschulzeit malte er unentwegt und einmal hatte ihn Herr Adler erwischt und er hatte fr seine Darstellung von Monstern und Fruchtbarkeitssymbolen zwischen den Seiten des Lesebuches eine schallende Ohrfeige bekommen.

Er wurde ins Lehrerzimmer geschickt, wo er unter dem Kruzifix sitzen und schmoren sollte. Sptestens von diesem Zeitpunkt an war die Schule fr Peter kein Spa mehr. Er begann die Welt der Erwachsenen in Frage zu stellen. Tief und breit klafften die Schluchten zwischen dem was sie sagten und dem was sie taten und ihre Fehler waren so offensichtlich.

Peter begann die Schule als einen Ort anzusehen, an dem er und seine Freunde jeden Tag fr ein paar Stunden gefoltert wurden. Das konservativkatholische Elternhaus und die Schule fingen an auf unertrgliche Art und Weise die Grenzen seiner Toleranz auszuloten. Lange wollte er sich das nicht mehr bieten lassen. Seine Lehrer registrierten ihn als einen maulfaulen, trumenden Schler.

Da er nur wenig sagte, bedeutete nicht, da ihm irgendetwas entging. Er beobachtete seine Lehrer und die Erwachsenen genau und merkte sich ihre Verfehlungen bis ins Detail. Warum sollte er sich dazu uern? Es reichte doch, da er wute, da sie Unrecht hatten. Woche fr Woche studierte er mit seinem Freund Andreas die beliebten bunten Zeitungen, die von Erwachsenen herausgegeben wurden und in denen man den Kindern auf hinterhltige Art einimpfte, welche Musik sie zu hren hatten und was sie anziehen sollten.

In diesen Blttern, so glaubten Peter und seine Schulfreunde, -1 2. Mittwochshitparade mit Mel Zandok. In seiner Klasse, wie in allen anderen Klassen auch, war es seit Mitte der siebziger Jahre Bestandteil eines wichtigen Identittsrituals, sich mit Leib und Seele einer Popgruppe zu verschreiben.

Leider gab es schon Schler, die alles ber Sweet, Slade und Abba wuten, die schon lange Material sammelten und deren Archive unerreichbar gro und umfangreich waren.

Kapitel 3 "Double life Gonzo und die Frontstadt Frankfurt" Matthias Rhr war der erste und somit lteste von insgesamt vier Jungen. Er wurde am April im ElisabethenKrankenhaus in Frankfurt-Bockenheim geboren. Sein Vater stammte aus Schlesien, die Mutter aus Ostpreuen.

Whrend der ersten Monate seines Lebens wute er alles, begreifen konnte er nichts. Die Welt war zhflssig geworden, gro und kalt. Als er zwei Jahre alt wurde siedelte die Familie von Frankfurt Sachsenhausen nach Eschborn um, das noch Dorfcharakter hatte und nicht zu den Brosatelliten Frankfurts zhlte. Matthias besuchte hier den Kindergarten und die erste Klasse der Grundschule, bevor die Familie erneut den Wohnort wechselte und nach Kelkheim zog, einem anderen Dorf in Taunusnhe. Nach ihm bekam seine Mutter noch drei weitere Shne.

Matthias war ein Bestandteil der Welt um ihn herum geworden und der Vater, der whrend der letzten 5 Jahre einen Lebensmittelladen in Frankfurt Hchst betrieben hatte, erffnete einen kleinen Kiosk in der Voltastrae in Frankfurt Bockenheim. Matthias sah den Vater whrend dieser Jahre selten.

Der Alte verlie die Wohnung morgens um fnf und war nie vor zehn Uhr abends zu Hause, auch Samstags nicht und Sonntags arbeitete er halbtags. Die Person des Vaters reduzierte sich auf die Stimme, die er manchmal in der Nacht von seinem Kinderzimmer aus hrte und auf den Mann, den er whrend der kurzen Sonntagnachmittage sah und der oft abgespannt und mde schien. Die Erziehung, die Matthias geno war katholisch, wie die von Pe Schorowsky. An seinem ersten Schultag schickte man ihn pflichtbewut und korrekt, im schwarzen Kinderanzug und mit Fliege, in die Schule.

Wer einen Anzug trug, brauchte -1 4. Mathias war schmchtig und hatte ein gespanntes Verhltnis zu allen Klassenstrksten. In den ersten Grundschuljahren hatte er, genau wie Pe, unter seinem Klassenlehrer zu leiden, wurde Fingernagelkontrollen unterzogen und sah sich mit Stcken und Stben gemaregelt.

Diese kleinen Gemeinheiten und willkrlichen Zchtigungen empfand er in dem Alter bereits als mies und billig, einfach unangenehm. Trotzdem war es eine Dorfkindheit mit allen Frschen und Kaulquappen, Eidechsen, Feuern, Baumhusern und miefenden Strohballen, die dazu gehrten.

Hessische Sechzigerjahredrfer. Das Ende der malerischen Kopfsteinpflasterra und der Beginn der Grenwahnepoche. Matthias nahm die Sakramente an, das hie, er schluckte die Hostie noch bevor er die Kommunion empfangen hatte.

Weil er es besonders gut und heilig machen wollte und weil er nicht ahnte, da so etwas in der Kirche verboten sein knnte. Der Pfarrer zog ihn nach der Messe am Ohr in einen Gang und brllte ihn an. Da war er ein Sechsjhriger und wieder trug er den schwarzen Kinderanzug. Als ginge er zu einem Begrbnis, so hatte man ihn fein gemacht, und jeden Sonntag hatte er dort aufzukreuzen, und verschwenden sollte er sich und seinen jungen Glauben in diesem kalten Kloster Kelkheim.

Matthias hatte schnell begriffen, wofr der Begriff "katholisch" in seinem Leben zu stehen schien und verweigerte sich frh dem kirchlichen System. Er war jetzt schon ziemlich angekotzt von den katholischen Pfarrern und ihrer Einmischung in sein Leben. Eine verlogene Bande, alle miteinander.

Spter bekam er nochmal eine Ohrfeige von einem Gottesdiener, der ihn auf der EichendorfRealschule in Religion zu unterweisen hatte. Man htte den Verdacht hegen knnen, da die Lehrer das Fach -1 5. Dennoch glaubte er daran, da er im Namen der Musik unterwegs war, sonst htte er mit elf Jahren nicht schon so einen Wirbel darum gemacht. Es hatte viel Gejammere und Gequengel gekostet, bis die Mutter endlich mrbe wurde und dem Sohn bei Hertie eine Wanderklampfe kaufte.

Ein 6saitiger, billiger Sperrholzkrper war das gewesen, der sich schon verstimmte, wenn jemand im Zimmer hustete. Der Vater, der sich auskannte, ahnte bereits, mit was es enden wrde.

Mit einem langhaarigen, haschrauchenden, diskutierenden, faulenzenden, rebellierenden Sohn, dem ltesten von Vieren, der stets aufgelegt zu einem znftigen Disput sein, und der Bier saufen und sich daneben benehmen wrde.

Er konnte sich den rger bildlich vorstellen. Shne, die Gitarre lernen oder Tnzer werden wollten, schwule Theaterfreaks und Tchter mit Ttowierungen, so etwas gab immer Probleme. Kapitel 4 "Bhse Onkelz" Neuer deutscher synthesizer alfred dreh die scheie leiser jeder gute deutsche kanns der hippie macht den ersten tanz new romantic neopunk deutsche welle macht mich krank new romantic neopunk deutsche welle macht mich krank das hippiepack steht an den tasten die meute fngt an auszurasten adam wird der schlpfer feucht wenn gabi in das mikro keucht neuer deutscher glitzerkack weg mit diesem hippiepack alle spielen deutsche welle das ist die echte monetenquelle new romantic neopunk deutsche welle macht mich krank new romantic neopunk deutsche welle macht mich krank "deutsche welle", Bhse Onkelz, 1.

Die Ehe ihrer Eltern war frh gescheitert. An den jahrelangen Krach und die endlosen Scheidungsprozeduren whrend ihrer Kindheit konnte sie sich kaum mehr erinnern. Ihrer Mutter Anna war schlielich das Sorgerecht fr Pia und ihren jngeren Bruder zugesprochen worden, und zu dritt bewohnten sie eine Dreizimmerwohnung "am Forsthaus" in Gravenbruch.

Gravenbruch war ein kleiner Vorstadtsatellit, der eingekeilt zwischen Neu-Isenburg und Heusenstamm im Staatsforst lag. Ringsherum monokulturelles kodesaster, durchschnitten von der A3, eine der Hauptschlagadern des Landes.

Die einzigen Attraktionen des Ortes stellten das Autokino und die Reithalle dar, und auch die hingen den Jugendlichen schnell zum Hals heraus. Wie endlos viele andere Mdchen und Jungen in ihrem Alter, hatte auch sie ihre Zuneigung zum Punk entdeckt. Anfang 81 hatte sich der Punkrock gerade bis Gravenbruch herumgesprochen. Zu viert, zu dritt und wenn es sein mute auch zu zweit oder gar alleine, besuchten diese Randgebietepunks die Treffpunkte in und um Frankfurt, Mainz und Wiesbaden.

Punks kamen lngst nicht mehr nur aus armen und asozialen Familien. Das traf ohnehin nur auf die wenigsten zu. Es vermischten sich Jugendliche aus allen sozialen Schichten miteinander, was eine Verschiebung der Symbole und der Werte zur Folge hatte. Anfangs war alles noch berschaubar gewesen, aber schnell hatten sich die Punks in ihrem eigenen Chaos verloren. Fr Pia gab es nichts, gegen das sich zu rebellieren lohnte. Nicht, da ihr keine Mistnde an der Gesellschaft aufgefallen wren, nur war die Rebellion fr sie kein Mittel, das sie wirklich in Betracht zog.

Sie war ein ruhiges Mdchen, mit einem intakten Schamgefhl, einer ausreichenden Sensibilitt fr die Menschen um sie herum und einer Fhigkeit zum Ertragen von Dingen, die andere Jugendliche auf die Palme brachten. Sie ertrug ihr Dasein, sie ertrug Gravenbruch und sie ertrug die Schule.

Alternativen gab es keine. Pia trank nur wenig Alkohol und nahm auer Nikotin keine Drogen zu sich. Ihr Freund Micha und seine Punkrockkomplizen grndeten eine Band, die sie trotzig "die Pseudos" nannten. Einmal, weil sie in Frankfurt nicht fr voll genommen, sondern als Pseudopunks abgestempelt wurden und auerdem weil sie so extrem schlecht waren, da sie nicht wie "Kreppelkaffee" oder "Boopy Traps" schon wieder geil waren, sondern so schlecht, da sie abermals -1 8.

Doppelt schlecht also. Jenseits von "geilschlecht", wenn man so wollte. Fr Freitag, den 8. Stephan, Kevin und Pe hatten einen Plan gefat. Gonzo war ein richtiger Musiker, ein Knstler, ein Virtuose.

Er hatte ihnen die Gitarre erklrt Signum Des Verrats - Böhse Onkelz - Live In Wiesbaden 1989 (CDr) sie die Stimmtechniken gelehrt und so ganz nebenbei den lockeren Gitarrero raushngen lassen. Nicht nur konnte er beinahe alle Sex Pistols Songs fehlerfrei und in eigenen Interpretationen nachspielen, er konnte auch die schnsten Bluesmelodien aus dem rmel schtteln, als seien es einige seiner simpelsten Routinebungen. Sie waren hingerissen. Stephan, Kevin und Pe entschlossen sich dazu, diesen Mann abzuwerben, koste es was es wolle.

Der Plan war nicht ganz neu. Schon im Februar, nach dem ersten Gig, hatte man eine Anspielung gemacht, auf die Gonzo aber nicht eingegangen war und jetzt im Frhling, wollte man ihn einfach fragen. Geradeheraus, ja oder nein. Gonzo hatte vom ersten Auftritt der Bhsen Onkls gehrt.

Das hatte schon etwas sehr dynamisches gehabt, sagte man ihm, etwas eigenes. Die Jungs aus Hsbach gaben sich Mhe, aber nicht zuviel, nicht soviel, da sie verkrampft wirkten. Kevins Brllerei wirkte sehr authentisch. Man konnte ihm leicht glauben, da er wirklich hllisch angekotzt war von seinem Leben und man konnte zuweilen Angst vor ihm bekommen, so echt war seine Wut.

Als sie Gonzo diesmal fragten, ob er nicht bei den Bhsen Onkelz einsteigen wollte, dachte er sofort an den Spa, den er in dieser Band haben wrde. Die waren so krass und fertig und daneben, und dabei so von sich berzeugt, da mute man einfach mitmachen. Gonzo sagte zu. Er bernahm -1 9. Bei ihrem zweiten Gig am 8. Mai spielten sie auer ihren alten Hits "Trken raus" und "Harakiri", auch einige neue Lieder. Kapitel 5 - "Oi, Oi, Oi" Deutschland versinkt in schutt und dreck, und ihr, ihr schweine, ihr seht einfach weg die bullen werden den aufstand schon niederschlagen, immer nur draufhaun, ohne zu fragen lange genug haben wir mitangesehen wie unsere stdte zugrunde gehen oi, oi, oi oi, oi, oi jetzt gibts einen aufruhr in unserem land, die kids von der strae haben sich zusammengetan, punks und skins im zusammenhalt, gegen euch und eure staatsgewalt oi, oi, oi oi, oi, oi die zeiten von liebe sind jetzt vorbei gewalt ist das mittel gegen ausbeuterei wir haben es satt, vor euch zu kriechen, dazu haben wir keine lust, wir haben ein besseres leben verdient nur bis jetzt haben immer die bullen gesiegt oi, oi, oi oi, oi, oi "Oi, Oi, Oi", Bhse Onkelz, 2.

Wie auch die Mitglieder von Sham, waren diese Musiker weder Punks, noch waren sie Skinheads, sondern schlicht Workingclass. Beide Kombos wurden von Pursey produziert und trieben den schnellen atemlosen Streetpunk aus den Tagen der Sham Army voran.

Auch zogen diese Bands gewaltige Scharen von Punks und Skinheads in die Hallen und wie schon bei den Sham 69 Konzerten, kam es bei diesen Gigs regelmig zu Schlgereien und blutigen Krawallen.

Die Cockney Rejects lieen whrend -2 1. Auch nicht, wenn ihre Gigs von BirminghamFanglatzen heimgesucht wurden.

In einer Zeit, in der in England die gewalttigen Ausschreitungen whrend der Fuballspiele einen neuen Hhepunkt erreichten, sangen sie "War on the terraces" und "We are the firm". Die Presse war auf blutige Fotos und Geschichten von randalierenden Fuballhooligans ganz besonders scharf. Ihre Berichterstattung war an Recherchefehlern und Lgen kaum noch zu berbieten.

Diese Artikel gaben den Jugendlichen erst die przise Anleitung, wie sie sich in Zukunft zu verhalten hatten, um diesem provokanten Bild zu entsprechen. Feuer wurde mit Benzin gelscht. Manager der Rejects war Gerry Bushell, der gleichzeitig als Musikjourna list fr die "Sounds" arbeitete. Obwohl die Verffentlichungen der Angelic Upstarts und der Cockney Rejects sich regelmig in den Top 50 festbissen, wurden diese Bands von den Musikzeitschriften ignoriert.

Was fr die englische Workingclass Jugend das Grte berhaupt war, galt fr die britische Musikindustrie als peinlich und asozial. Die straentaugliche Glaubwrdigkeit der Musik begeisterte all die Jugendlichen, die sich durch die kommerzielle Einmischung der Industrie in ihre Szene verarscht fhlten.

Album" als erste Verffentlichung die Bewegung erst richtig auf Trab brachten. Bis hatte sich Oi in den unteren Schichten Englands ausgebreitet. Das war nur die Spitze des Oi-Berges. Den wenigsten dieser Bands konnte man ein politisch motiviertes Image nachsagen, auer, da sie mit der konservativen Regierung ihres Landes, der Arbeitslosigkeit in ihren Vierteln und der Unterdrckung ihrer Musik durch staatliche Zensoren nicht einverstanden waren. Was diese Bands im Sinn gehabt haben, war eine unpolitische Bewegung, die sich nicht zwischen rechts oder links entscheiden sollte, sondern zwischen richtig und falsch, ohne dabei auf den Spa von schnellen Konzerten und guten Partys verzichten zu mssen.

Schlgereien inbegriffen. Crane galt als einer der fhrenden Kpfe des rechtsradikalen "Britisch Movement" und war angeblich durch einen Irrtum auf das Cover geraten. Die ultrafaschistoiden -2 3. Mitglieder des "Britisch Movements" und der rechten Partei der "National Front" hatten schon Mitte der Siebziger damit begonnen, die Skinheadszene massiv zu infiltrieren, nicht ohne Erfolg.

Die Rassenkarte war gegenber der gewaltbereiten Jugend ihr wichtigster Trumpf gewesen, der ihnen bei den Wahlen 77 ganze Da die gesamte Sze ne nach rechts abwanderte, oder das die OiBewegung von Beginn an einer nationalen Gesinnung nachhang, war gelogen.

Dennoch, vielen lteren Skinheads waren die jngeren gefolgt und in der Klasse zu sagen, "ich bin in der NF", brachte damals instant-respect auf dem Schulhof.

Jetzt, whrend des Revivals Anfang der Achtziger, gelang es den rechten Parteien erneut, Streit unter den Jugendlichen zu sen. Immer wieder prgelten sich die Fans untereinander. Niemals wrden sich Skinheads und Punks zusammentun, nicht einmal unter dem gemeinsamen Dach, das "Oi" ihnen bot. Aufgrund des politischen Einflusses in ihrer Szene, war ihnen pltzlich nichts mehr gut genug. Der Mop wollte wissen auf welcher Seite seine Bands standen.

Wer nicht rechts war, war links und wer kein Kommunist war, der mute ein Nazi sein. Wer sich fr diesen schlecht bezahlten Beruf entschied, der mute mindestens 15 Jahre alt sein, seine Schulpflicht erfllt haben und seediensttauglich sein.

Die Lehre dauerte 36 Monate und endete mit der Matrosenprfung und der Aushndigung des Matrosenbriefes oder der Bestallung zum Schiffsmechaniker. Dazu kamen Unterrichtsblcke von 10 Wochen pro Lehrjahr, die in einer Schule fr Schiffsmechaniker in Travemnde besucht werden muten.

Kevin erinnerte sich oft an das, was seine Gromutter ihm ber die Seefahrt erzhlt hatte. Danach verfiel sie meistens in einen langen Monolog ber die Seefahrt und ber Kevins Grovater, der einstmals als 3. Maschineningenieur auf der Cap Arkona nach Brasilien gefahren war. Die Cap Arkona war in den ausgehenden zwanziger Jahren tatschlich der ganze Stolz und das Flaggschiff der Hamburg-Sdamerikanischen Dampfschiffahrtsgesellschaft gewesen. Ein Koloss unter den Passagierschiffen mit drei mchtigen Schornsteinen, Konzertsalon, Festsaal,Tennisplatz und genug Platz fr ber tausend gutbetuchte Gste.

Dabei stand es jetzt schon fest. Nichts von dem, was seine Oma ihm ber die Seefahrt berichtet hatte, traf zu. Hier ging es nicht um Passagierdampfer und feine Gesellschaften in Dinnergarderobe, die den Hummer zentnerweise in sich hinein schaufelten, whrend sie gemchlich von Hamburg nach Sdamerika schaukelten.

Auch nicht um die Abenteuer des Leichtmatrosen Russell, der nachts an den Luxuskabinen der alleinstehenden Millionrinnen entlangprfte, in der Hoffnung in Rio schwer reich fr immer von Board gehen zu knnen, sondern um beschissenes, langweiliges Stckgut; um Container und den Umgang mit ihnen, um Seekarten und nautischen Schnickschnak und um beinharte krperliche Arbeit.

Zu Beginn der Lehre war Kevin noch guten Willens. Voller Elan und mit den besten Absichten war er nach Hamburg gekommen, aber schon nach kurzer Zeit sa er in den Unterrichtsrumen und trumte sich durch den Tag. Russell, sind sie noch bei uns?

Er war, und das mute mal gesagt werden, die gute Seele der Band. Nicht nur war sein Schlagzeugspiel in den letzten Jahren erheblich besser geworden, er war auch in allen anderen Belangen eine unersetzbare Sttze der Bhsen Onkelz und der beste Freund. Untypisch insofern, da ihn Gewalt und Fuball kalt lieen.

Ins Waldstadion ging er nur selten und whrend der gesamten Zeit, seit Grndung der Band, hatte er sich niemals an einer Schlgerei beteiligt. Er war aber auch niemals weggelaufen. Pe stand einfach daneben und zog sich rein, was es zu sehen gab. Wenn alles vorbei war, stand er immer noch da, ohne einen Kratzer im Gesicht und tat so, als ob nichts passiert wre.

Pe war auf eine besondere Art ruhig und furchtlos. Es schien, als trge er nur wenig Zorn in sich, den er durch Aggression artikulieren mute. Bis auf einen Zwischenfall, Signum Des Verrats - Böhse Onkelz - Live In Wiesbaden 1989 (CDr) dem Pe einem schlafenden Nrnberger Skinhead nach einer versoffenen Nacht den Inhalt einer Dose Whiskas ins Maul geschmiert hatte, war von ihm niemals Gewalt ausgegangen.

Whrend Kevin und Stephan nur darauf warteten, da sie jemand schrg ansah, damit sie endlich loslegen konnten, war Pe das genaue Gegenteil. Seit dem Sommer 82 war Pe aus Hsbach fort. Beim Abfluservice hatte er aufgehrt und arbeitete nun in einer Frankfurter Schloerei. Pe wohnte mit seinem Freund Oleovnek zusammen.

Eine winzige Wohnung auf der Humboldtstrae im Frankfurter Nordend. Alles war schn. Bis eines Tages die Freundin vom Oleovnek einlief und ein bichen Acid dabei hatte. Sie drckte Pe zwei Micros in die -2 8.

Hand und verschwand wieder. Mal abgesehen von einigen Pattexerlebnissen, dem wenigen Dope und dem vielen Bier, hatte Pe noch keine Drogen zu sich genommen, jedenfalls keine harten. Gonzo, der an diesem Abend aus Hamburg zu Besuc h war und mit Pe in dessen Hhle abhing, konnte sich auch nicht rhmen, schon mal eine psychedelische Erfahrung gemacht zu haben. Was konnte schon groartig passieren? Micros, pah, die konnte man ja kaum sehen, so klein waren die.

Pe und Gonzo waren gewarnt worden, da so ein Trip auch schiefgehen konnte, aber was zum Teufel bedeutete "schiefgehen"? Da man kotzen mute? Da man Dnnschi kriegte? Da Micros nur so gro wie ein Stecknadelkopf waren, hie nicht, da sie schwcher als andere Trips sein muten. Im Gegenteil. Ein halbes Kgelchen htte ausgereicht, um einen stabilen Menschen nachhaltig zu verwirren. Darum war es immer ratsam, eine nchterne Vertrauensperson dabei zu haben, die nachfhlen konnte, was im Kopf des erschrockenen Reisenden ablief.

Im Klartext hie das, da man schrge und schreckliche Sachen sehen konnte und sich vor Angst fast in die Hose machte. Es kam wie es kommen mute. Unautorisiertes Acid in den Hnden von neugierigen Tripnovizen.

Mit einem krftigen Schluck Binding aus der Flasche splten sie ihre Micros runter, jeder einen und dachten nicht im Traum daran, da ihr erster Ausflug sie gleich so weit fort tragen wrde.

Nach einer halben Stunde begannen die Wnde zu leben und das, was eben noch ein Rockposter war, wurde nun zu einer Vielzahl von gemeinen Kreaturen und blutrnstigen Fratzen. Nichts war mehr so, wie es -2 9. Sie sprhten Funken, zischten und schnaubten. Keiften aufeinander los und schreckten voreinander zurck. Alle paar Minuten ein trgerischer Normalflash, whrenddessen sie sich anschauten und sich sagten: "H, was ist denn eigentlich los?

Ist doch gar nicht so schlimm, oder? Der Sog, der Rotor, der Abflu, alles wurde mit hinabgerissen und weggesplt. Die Augen quollen ihnen aus dem Schdel, die Kopfhaut schrumpfte und die Zhne schmolzen.

Ohrensausen und die Sinne im Aufruhr. Weit weg und wieder ganz nah dran, rauf und wieder runter, alles in Ordnung, alles oberschrg, und dazwischen konkrete Panik. Die ganze Nacht ging dabei drauf. Bevor der Morgen graute, war an Schlaf nicht zu denken gewesen. Seit diesem Erlebnis waren Fernreisen bei Gonzo und Pe nicht mehr gefragt. Im Frhjahr 83 kauften Stephan und Pia ihr erstes Auto. Pia hatte durch die Heirat ,-DM von ihrer Versicherung bekommen.

Diese alte Kiste war fr eine kurze Zeit der ganze Stolz der Band. Ihnen war ein Auftritt im Jugendzentrum Ampermoching zugesagt worden. Kevin und Gonzo waren aus Hamburg angereist und zusammen mit ihrem Rimmel Standard, ihren Gitarren und dem Verstrker quetschten sie sich in den Olimat.

Auf regennasser Fahrbahn schlich die Karre durch den Nebel und es hatte 5 Stunden gedauert, bis sie endlich ankamen. Im Jugendhaus Ampermoching hatten sich einige hundert Menschen eingefunden.

Punks, Skinheads, Rocker und eine -3 0. Eine grausame Band stand auf der Bhne und versuchte das lethargische Publikum zu motivieren.

Kapitel 8 "Der nette Mann" Auch zwlf dunkle jahre in deiner geschichte machen unsere verbundenheit zu dir nicht zunichte es gibt kein land frei von dreck und scherben hier sind wir geboren, hier wollen wir sterben deutschland deutschland, vaterland deutschland deutschla nd, mein heimatland den stolz deutsch zu sein wolln sie dir nehmen das land in den dreck ziehn, die fahne verhhnen doch wir sind stolz, in dir geboren zu sein wir sind stolz darauf, deutsche zu sein.

Es war ein kurzes Telefonat, in dem er zu Stephan sagte, da er gerne eine Platte mit den Onkelz machen wrde. Er werde die gesamte Produktion finanzieren, hatte er gesagt. Die Band sollte in ein Studio gehen und ihm die fertigen Bnder schicken. Alles andere wrde noch geregelt werden.

Egoldt war ein Rockfossil. Er besa schon in den siebziger Jahren ein eigenes Label, das er "Big H" nannte und auf dem er verschollenen Rockklassikern aus den spten Fnfzigern und frhen Sechzigern zu einem zweiten Frhling verhalf. Aufgrund der katastrophalen Geschftsprognosen fr diese Art von Musik, konnte Egoldt im Schatten der groen Musik huser bestens bestehen. RockORama in Brhl wurde zu einem der bestsortiertesten unabhngigen Plattenlden, mit vorzglichen Kontakten nach England und mit eigenem Mailordervertrieb wobei der Schwerpunkt des Angebotes noch eindeutig auf Punk und New-Wave lag.

Alles andere wrde also noch geregelt werden. Stephan und den anderen wurde es fast schwindelig vor Aufregung. Anfang Mai 84 kam "Der nette Mann " auf den Markt. Eine politische Motivation steckte hinter dem ersten Vinyl der Onkelz nicht. Niemand in der Band gab etwas auf Politik.

Saufen, Ficken, Fuball, Mord und Totschlag. Mit 14 Stcken prsentierten sich die Bhsen Onkelz als erste Skinheadband der deutschen ffentlichkeit und wer -3 3. So wie sie sich als echte dreckige Punks verstanden hatten, so eindeutig standen sie jetzt hinter dem Skinheadkult.

Nicht nur ihr ueres glich den englischen Skinheads bis hin zum kleinsten Detail, auch ihre innere Haltung war stark an das englische Ideal der siebziger Jahre angelehnt. Ein Skinhead zu sein, bedeutete fr jeden in der Band, da es das groartigste Gefhl von Gemeinschaft berhaupt war. Nichts war mit diesem Gefhl vergleichbar. Es war wie beim Punk, nur noch tausendmal geiler, strker, unbesiegbarer.

Eigenartiger Weise waren Gonzo und Stephan nie richtig auf die typische Skinheadmusik abgefahren. Last Resort und 4-Skins gehrten nicht unbedingt zu ihren Lieblingsgruppen. Da sie die meisten Texte nicht verstehen konnten, ging es ihnen schon von Anfang an mehr um die Musik, als um die Aussagen ihrer Lieblingsbands. Sie waren immer noch beigeisterte Anh nger der Gerry Bushell OiCompilations, die inzwischen auf 4 Volumes herangewachsen waren und standen nach wie vor auf den dreckigen englischen Street-Rockn Roll von Cock Sparrer und den Lurkers oder von den Australiern Rose Tattoo.

Rose Tattoo? Was die Tattoos anging, hatte sich eine Menge getan. Kevin fhlte sich zu Recht als halber Englnder, was sich auch in dem neuen "Westham United" Tattoo ausdrckte, das Gonzo ihm mit einem Skalpel und einem Glas Tinte zugefgt hatte. Kevins gesamter linker Arm war inzwischen bebildert. Whrend einer Schiffsreise nach Hull in England hatte er sich Farbe und Nadeln besorgt und schon die -3 4. Spinnennetz am Ellenbogen und Drachen auf der Schulter. Russell hatte es sich zum Ziel gesetzt, alle freien Stellen seines Krpers, auer dem Gesicht, den Fusohlen und dem Penis, auszumalen.

Fr ihn war es das erste Mal, da er eine eigene Identitt besa. Kevin fhlte sich als ein Fasterwachsener in einer verschworenen Gruppe von Freunden. Das war etwas, da ihm so wertvoll war, da er es nur spren, aber auf keinen Fall beschreiben konnte. Kapitel 9 "Bse Menschen - bse Lieder" Sie hindern dich so gut es geht deinen weg zu gehn unsre herrn politiker sie wolln dich nicht verstehn ich habn hass, son hass ich habn hass, son hass sie reden nur und reden und nichts kommt dabei raus viele worte, keine taten fr nichtstun noch applaus ich habn hass, son hass ich habn hass, son hass arbeitslose jugendliche sind heute schon normal die reichen immer reicher alles andre ist egal meine verachtung haben sie ich kann sie nicht mehr sehn das sind menschen, die von freiheit reden und nicht dazu stehn "Hass", Bhse Onkelz, "Bse Menschen - bse Lieder" LP, RockO Rama Records, Neun Monate nach "dem netten Mann", im Februarwaren die Onkelz wieder im MTV-Studio gebucht.

Egoldt hatte angerufen und die Produktion der zweiten LP angeleiert. Obwohl die Bhsen Onkelz noch kein Geld fr die erste Platte bekommen hatten, waren sie begeistert. Allein der Gedanke an ein neues Album konnte sie beflgeln. Bis auf Kevin, hatten sie sich die Haare ein Stck wachsen lassen und die Hosentrger abgelegt.

Fred Perry Hemden waren out und ihre Docs trugen sie nur noch ab und zu. Die starren Regeln innerhalb der Skinheadszene, in Verbindung mit dem dmmlichen Faschogeschwtz einiger Hamburger und Berliner war es, was sie ankotzte.

Kaum war man der einen Schublade entwachsen, sa man schon in der nchsten. Suchst du Glauben? Wir nehmen dir deinen Heiligenschein. Suchst du Freunde? Den ham wir auch, dann und wann! Wir spielen Rechtsrock vom Feinsten, ja wir ham einen Lauf! Unsere Partys sind Wahnsinn, auch ohne viel Geld! Nun komm und mach dich endlich frei! Jetzt komm und reich uns die Hand!

Sei stolz und glaub an dein Land! Komm zu uns Kamerad, wenn du Deutschland liebst denn wir sind die Kraft die niemals vergibt. Damit stellen sie den Aspekt des Kampfes nochmals besonders in den Vordergrund. Unsere Eltern waren immer meckern, denn wir waren meisten breit. Die ersten Narben und gebrochenen Nasen, in dieser Zeit will ich wieder sein. Kennst du noch die alte Kneipe, in der wir immer waren. Kennst du noch die alten Lieder die wir gesungen haben.

Wunderbare Jahre, ich denke gern an diese Zeit. Wunderbare Jahre, wir waren Jung wir waren frei. Wunderbare Jahre, wunderbare Jahre. Das erste Bild auf dem Oberarm, den ersten Stress mit der Bullerei. Auf Partys waren wir nie gerne gesehen, wir waren halt frech wie Rotz. Doch merk dir eins, du dumme Sau: Zu falschen Freunden sage ich nein! Jetzt sind wir umso bessere Feinde. Nicht nur einmal, sondern mehrere Signum Des Verrats - Böhse Onkelz - Live In Wiesbaden 1989 (CDr).

Treue und Stolz sind bei dir ausgestorben. Die Drohung ist daher recht simpel: Wer rechtsextremer Skinhead wurde, um Freunde — Kameraden — zu finden, wird diese beim Ausstieg verlieren. Du hast uns und Dich belogen, hast uns verraten und betrogen!

Kamerad, was ist aus Dir geworden? Was ist mit Deinem Leben, unserem Kult? Ich war Onkelz Fan und wollt es auch bleiben, ich dachte nicht im Traum, dass was passieren kann. Es half alles nichts, es wollt nicht gelingen, sein schrumpeliger Pimmel, der blieb streichholzklein. Das war ihm jetzt peinlich, er fing an zu weinen. Das ist unser Stephan, wie ihn keiner kennt. Hail C18, you know what I mean. Hail, hail, hail, the terrormachine. Hail, hail, hail, combat The end is coming now for the traitors of our race.

Scum you should better run if you see the hate in our face. Deutlicher wird hier jedoch der terroristische Aspekt, da nicht nur Hass, sondern eine direkte Todesdrohung ausgesprochen wird. Interessant ist vielmehr die Haltung einiger weniger Bands, welche sich gegen Gewalt in bestimmten Situationen aussprechen.

Ihr habt euch sinnlos betrunken und danach Blut geleckt. Die Bedeutung rechtsextremer Musik innerhalb der politischen Sozialisation von Jugendlichen Einfach totgetreten das fiel euch nicht sehr schwer. Jetzt ist es wieder mal so weit, ihr habt es wieder mal geschafft. Denkt doch nach bevor ihr handelt hat man euch das nicht beigebracht? Die Musik gibt den rechtsextremen Rezipienten so vor, wie sie sich verhalten sollen, um Wohlgefallen zu finden.

Hey Spitzel Presse, halt die Fresse! Unqualifiziert allemal, wer sind stolz und radikal. Doch einen Zeugen, den gab es wohl doch, es wiedermal nach einer Schlagzeile roch. Ein Deutscher wollte seine Meinung sagen, oder hat die falsche Kleidung getragen. Er zeigte seine Fahne, ein Tattoo, trotz der Anklage steht er dazu. Doch wir sind das Volk, werden uns erheben, unsre Kinder werden eine bessere Zeit erleben. Patrioten und Nationalisten sind hier nicht beliebt. Die Bedeutung rechtsextremer Musik innerhalb der politischen Sozialisation von Jugendlichen doch bald kommt unsre Stunde dann werdet ihr entfernt.

Es folgt eine weitere Rachedrohung. Einfach alles zu verbieten, ist die einfachste Methode, denn wer keine Argumente hat, dem bleiben nur Verbote. Obwohl man den Friedhof Tag und Nacht bewacht, da fragt man sich wer das wohl macht. Ich hab sie selber angeworben und dann jahrelang verdorben.

Doch ihre Gruppe war schon lang durchsetzt, ich hab sie selber alle aufgehetzt. Und wenn es dann so richtig brennt, ja dann freut sich der Geheimagent. Der Mann der alles kann. Steck Asylantenheime an, schmier Hakenkreuze an die Wand und kann sonst noch allerhand. Lehnt das alles ab, lasst euch nicht darauf ein, traut niemals diesem komischen Verein. So singt Frank Rennicke z. Rennicke nutzt — wenn auch musikalisch anders verpackt, dieselben Argumentationslinien.

Durch den Verweis auf etwas vermeintlich Schlimmeres wird das eigene Tun gerechtfertigt. Mit William Wallace von Sieg zu Sieg. Der Roten Armee, der machten wir Beine. Juni dabei. Gegen Sowjetpanzer und Volkspolizei.

Ich bin ein Rebell und ich werde es bleiben. Ich lass mich aus meinem Land nicht vertreiben. Juni Europa — Jugend — Revolution. Wir brechen die Barrieren dieser versteckten Tyrannei und die ketten aller Bruderkriege; gemeinsam Signum Des Verrats - Böhse Onkelz - Live In Wiesbaden 1989 (CDr) wir uns frei Europa — Jugend — Revolution.

Ein lauter ruf hallt durch jede Nation, Europas Jugend schreit nach: Revolution! Wir wollen die Feinde verjagen.

Wir schaffen ein freies Land. Volk ans Gewehr gegen Zions Heer. Burn in the flames of hatred, be forgotten in the sphere of silence Forever now you will be nothing but an empty page of history!

Auschwitz rules over the torah! Auschwitz rules over the koran! Auschwitz rules over the bible! Auschwitz rules over you bastards! Death is calling in the name of Aryan Rebirth Jewish Oppressors will fall as victims thus hierarchy rest This night we will celebrate our triumph Earth is scorched, purification has finally come.

A will to create, a will to rule I will reverse the Jewish values Freedom, Equality, Fraternity Will be a part of a forgotten history Burning all traces from our enemies To glorify ourselves and erase their moral Loyalty I have sworn And excellence I am now longing for!

Ihr tut unsrer Ehre weh, unsre Antwort Zyklon B. Der Song, welcher starke IndustrialElemente beinhaltet, besteht aus mehreren gesprochenen Texten. Nach dem Krieg wird unserer Heimat brennen. Nach dem Krieg holen wir die Toten heim. Nach dem Krieg werden wir Verlierer sein. In Buchenwald, in Buchenwald da machen wir die Juden kalt.

In Majdanek, in Majdanek da machen wir aus Juden Speck. Aus Judenhaut, aus Judenhaut da wird der Lampenschirm gebaut. Und hat er dort genug geschmort dann fliegt er durch den Schornstein fort. Nur ein kleines Judenschwein. Signum Des Verrats - Böhse Onkelz - Live In Wiesbaden 1989 (CDr) bist ein kleines Judenschwein! Und niemand hier hat dich gern. Der Riesennase im Gesicht. Jude dich verkennt man nicht. Dass Juden nur zum heizen sind. Er ist eine der Konstanten rechtsextremer Musik.

Eng mit dem Antisemitismus verbunden ist dabei auch die Leugnung oder Relativierung deutscher Kriegsverbrechen im Sinne des Geschichtsrevisionsmus. Rose clouds of twilight truth. Ich lernte ne Geschichte da glaubte ich gar nicht dran. Mit ner Brause und nem Abfluss, wie ne Dusche sieht dass aus. Und fertig ist der Holocaust. Das warn zwar keine Juden aber diese Info ist intern. Davon machten sie dann Fotos und schickten sie in die ganze Welt.

Und dann ist endlich Schluss mit dem Beschiss. Und wenn es dann vollbracht, ist unser Volk endlich frei. Und Schluss mit der Judentyrannei. So singen Landser z. Und heut beleidigt man ihre Namen. Millionen Tote, tapfere Soldaten und die zwei Schweine sind am leben! Damit wird diese Tat als Schlimmer als der Holocaust und alle andere Kriegsverbrechens der Nationalsozialisten gewertet. Ihre Treue soll uns ein Vorbild sein bei unserm Handeln und Denken.

Sieg Heil! In dieselbe Kerbe der Relativierung der Rolle deutscher Soldaten im zweiten Weltkrieg schlagen die weiterhin stark verbreiteten Soldatenlieder aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Es kommt auch nicht selten vor, dass eine Rechtsrock-Band diese Lieder neu auflegt. Warum werden sie in diesem Staat isoliert?

Nur weil wir stolz auf unsere Herkunft sind? Warum darf ich nicht stolz sein auf mein Heimatland? Habt ihr kein Herz, habt ihr kein Verstand? Wie lange wollt ihr noch bei diesem Unrecht zu sehen? Wie lange soll unser Volk noch den armen Sklaven spielen? Wie lange noch am Boden knien? Meine Wiege stand geborgen in dem Haus am Wolgastrand. Mutter trug allein die Sorgen, seitdem Vater war verbannt.

Jede Stube, jedes Guckloch in dem Haus war mir bekannt. Auf dem Hof durch manches Schlupfloch bin ich oftmals durchgerannt. Als wir aus dem Tore zogen schaut ich mich noch einmal um. Eine schwarze Klauenpfote formt sich aus meiner Hand. Willst du mich, so komm in mein Reich. Deine Eingeweide schmecken sicher gut! Wieder ist die grausge Tat vollbracht. Hat der Grund das Blut getrunken erst und der Rauch hat sich gelegt, strahlt das Heimatland in neuem Glanz, ist der Feind hinfort gefegt.

Kampf und Krieg sind Kernelemente des Songs. Die Tiefe der Mythologie ist hier wesentlich niedriger als bei Absurd. Kampf ist auch hier — wie schon bei Absurd — das beherrschende Element. Die Bedeutung rechtsextremer Musik innerhalb der politischen Sozialisation von Jugendlichen Viele klassische Rechtsrock-Bands sind auch nach Figuren aus der nordischen Mythologie benannt. All diese Bands nutzen trotz ihrer mythologischen Namen nur selten — einige nie — mythologische Elemente in ihren Songs.

Refrain 5x: Odin statt Jesus. Doch nein wir brauchen keine falschen Propheten. Wir brauchen keinen Jesus und kein Kreuz zum beten. Walvater Wotan wird Germanien befrei'n!

Einst gab es die Inquisition, ist doch allen wohlbekannt. Deutsche Frauen als Hexen zu tausenden verbrannt. Auch Walhalla als Zielort der gefallenen Helden taucht auf. Der Wille in uns allen, aufs Neue nun entfacht. Wenn Sonnenmenschen schreiten, alles bebt bei unserem Schritt, denn wir erkennen heute, auf uns ruht Allvaters Blick. Als Freie wir geboren, erkennen wir was Recht.

Das Schicksal ist uns Bruder und Schwester auch zugleich. Und soll'n wir einst vergehen, so stirbt mit uns das Reich. Manch Blut wird weich und geht verloren, doch unseres wir bewahren. Trotzend all dem Niedergang, wir schworen es den Ahnen. Wir sind sie und sie sind wir, durch Kraft der blut'gen Banden. So wie wir im Kreise stehn' vereint durch unseren Willen Erklingt ein Ruf von Norden her, lasst uns die Kriegslust stillen!

Die Bedeutung rechtsextremer Musik innerhalb der politischen Sozialisation von Jugendlichen Der Song, welcher musikalisch ganz anders als der vorherige aufgebaut ist und eher dem Bereich Pagan Metal zuzuordnen ist, zeigt weitere mythologische Elemente, welche von der rechtsextremen Szene genutzt werden, um ihre Botschaft zu verschleiern. Einige davon werde ich nun vorstellen.

Einige davon wurden hier auch bereits vorgestellt. Der Patriotismus ist jedoch — und das unterscheidet den deutschen Rechtsrock z. In diesem Land. In diesem Land … In die Einsamkeit wir entrinnen. Im zweiten Absatz steckt meines Erachtens die starke Ablehnung der Moderne und vor allem der Globalisierung.

They say it's the best We all helped make it. It's called the Death of the West The kids from Fame will be there. Just for me and you The Death of the West. The Death of the West … A star has risen in our northern sky and on that star we have been crucified They wrap chains of gold around this world. Der letzte Absatz ist dabei besonders kritisch.

In dieser Scheinfreiheit. Wo die Masse waltet, da herrscht die dumpfeste Sinnlosigkeit! Die Macht, der geifernde Anspruch Die Macht, der geifernde Anspruch aus der bestialischen Tiefe! Und Demokratisierung dann in Wahrheit die Entfesselung der in sich ungeistigen Masse.

Die Entfesselung der Zahl gegen den Geist. Eben mal abserviert wie der letzte Dreck? Wie der letzte Dreck! Aus dem Leben verbannt! Es stellt sich die Frage: Was wird morgen sein? Du bist nicht allein! So wie dir geht es Tausenden in dieser Zeit und der Ruf nach Revolte der macht sich breit. Und es hallt durch die Gassen an jedem Ort: Hey! Wir stehen im Antiglobalisierungskampf, Antiglobalisierungskampf! Wir stehen im Antiglobalisierungskampf und er fordert von dir deinen Widerstand.

Du wirst immer verlieren! Denke selber nach, wer Schuld daran ist. Einen gerechten Kapitalismus den gibt es nicht. Den gibt es nicht! Auf dem Weg zur Machtausdehnung einer globalen Zwingherrschaft.

Umerziehung — Sklavenzucht — Geistige Haft! Die Diktatur des Kapitals kennt keine Freiheit!!! Glaubt mir, vergeben wird sie Euch nie. Egoistisches Fortschrittsdenkendas den Gegenschlag Mutter Erdes nach sich zieht.

Saturday In The Park - Chicago (2) Featuring The Chicago Symphony Orchestra - Chicago At Symphony Ha, In The Park - Various - Diggin Deeper - The Roots Of Acid Jazz (CD), Tamale (Bubblin Mix) - Raw Jawz - Tamale (CD), Sweet Summer Dag - Chris Rea - All Stars (CD), Northern Downpour - Panic At The Disco* - ...Live In Chicago (CD), Better Than Me - Broad (3) - Human Conflict (CD), Sick Priest Learns To Last Forever, Untitled, Theme From Shaft - Various - Disco Fever (CD), The Farmer In Heaven - Henry Kaiser - Outside Pleasure (File)

8 thoughts on “Signum Des Verrats - Böhse Onkelz - Live In Wiesbaden 1989 (CDr)”

  1. Böhse Onkelz - Live in Vienna Aus der DVD: onlineprofit.biz Onkelz im Netz: Offizielle App: onlineprofit.biz

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  3. Signum Des Verrats Lyrics: Es ist kein Mal wie Du es kennst / Kein aufgebranntes Zeichen / Man bemerkt es / Doch man sieht es nicht / Und es prägt Dich ohne Gleichen / .

  4. 9 thoughts on “ Mädchen - Böhse Onkelz - Live In Wiesbaden (CDr) ” Nov 13, · böhse onkelz signum des verrats live in wiesbaden Es ist kein Mal, wie Du es kennst Kein aufgebranntes Zeichen Man bemerkt es Doch man sieht es nicht Und es prägt Dich ohnegleichen Du. Reply. Fenrigami says: at View credits, reviews.

  5. Find the key and BPM for Signum des Verrats - live By Böhse Onkelz. Also discover the danceability, energy, liveness, instrumentalness, happiness .

  6. Böhse Onkelz Bootshaus Wiking, Offenbach - May 5, May 05 Böhse Onkelz Conny's Place, Hanau - Jun 28, Jun 28 Last updated: 15 Sep , Etc/UTC.

  7. Feb 20,  · Read about Signum des Verrats (live) by Böhse Onkelz and see the artwork, lyrics and similar artists.

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